Bonn (DMK) Heute haben der Fachverband Biogas e.V. sowie das Deutsche Maiskomitee e.V. im Rahmen eines gemeinsamen Presse-Hintergrundgesprächs das Positionspapier „Mais im Faktencheck“ vorgestellt. Die beiden Verbände ziehen darin eine wissenschaftlich fundierte Bilanz zum Einsatz von Mais in der Energiewirtschaft, abseits von Mythen und Vorurteilen und verdeutlichen, warum die Kulturpflanze für eine sichere, bezahlbare und klimaschonende Energieversorgung in Deutschland unverzichtbar ist.
Hohe Flächeneffizienz und verlässliche Stromversorgung
Mit einer Anbaufläche von rund 850.000 Hektar für die Biogasproduktion nutzt der Energiemais lediglich etwa 5,1 Prozent der deutschen Landwirtschaftsfläche, liefert dabei jedoch circa 15,5 Terawattstunden (TWh) erneuerbaren Strom sowie rund 5 TWh Wärme. Dies entspricht der Versorgung von rund 5,1 Millionen Haushalten und stellt eine verlässliche Säule dar, um Phasen ohne Wind und Sonne sicher zu überbrücken.
Ökonomische Notwendigkeit und flexible Nutzung im Jahresverlauf
Thomas Karle, Präsident des Fachverbandes Biogas e.V. und aktiver Landwirt, verweist vor allem auf die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit des Rohstoffs: „Für die Praxis der Biogasanlagenbetreiber ist Mais kein Selbstzweck, sondern eine ökonomische Notwendigkeit in finanziell angespannten Zeiten. Im Vergleich zu alternativen Substraten liefert Mais den höchsten Energieertrag pro Hektar und hält so die Stromgestehungskosten niedrig, was letztlich den Geldbeutel der Verbraucher schont.“ Daneben ermöglicht die Nutzung von Mais laut des Präsidenten aufgrund seiner hohen Energiedichte eine saisonale Fahrweise. Im Winter, wenn mehr Energie in Form von Strom und Wärme benötigt wird, könne man mehr auf den Einsatzstoff Mais setzen, in den Sommermonaten mehr Reststoffe vergären.
Bedenken widerlegt: Maisanbau und Naturschutz
Zugleich zeigen die Daten laut Karle klar, dass der Maisanbau im Einklang mit der Natur steht und bei sachgerechter Bewirtschaftung keineswegs die Biodiversität gefährdet. Die Diskussion um eine Absenkung des Maisdeckels sei daher fachlich nicht gerechtfertigt und bremse die Energiewende an entscheidender Stelle aus.
Effizienter C4-Energiespeicher
Prof. Dr. Jürgen Braun von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen hebt die ökonomischen und energetischen Stärken der Kultur hervor: „Die wissenschaftliche Auswertung zeigt eindrucksvoll, welch unterschätzter Leistungsträger der Mais in unserem Energiesystem ist. Als C4-Pflanze nutzt er das Sonnenlicht sowie das verfügbare Wasser außerordentlich effizient und fungiert auf dem Feld und später im Silo wie ein natürlicher Energiespeicher. Abgesehen von Pumpspeicherkraftwerken existieren in Deutschland keine größeren und resilienteren Energiespeicher als die Biomasselager unserer Landwirte.“ Bereits ein einziges mittelgroßes Fahrsilo (ca. 3.000 m³ Silomais) speichere laut den Wissenschaftlern vom Deutschen Maiskomitee e.V. ein energetisches Potenzial von rund 1,5 bis 2 Millionen kWh.
Ökologische Pluspunkte: Geringer Pflanzenschutz und Schutzraum für Tiere
Wissenschaftliche Begutachtungen belegen zudem, dass Mais im Vergleich zu anderen Ackerbaukulturen wie Weizen oder Raps mit deutlich weniger Pflanzenschutzmitteln auskommt. Im Regelfall genügen ein bis zwei Anwendungen pro Saison. Auch beim Einsatz biologischer Pflanzenschutzverfahren, etwa durch den Drohneneinsatz von Schlupfwespen gegen den Maiszünsler, nimmt der Maisanbau eine Vorreiterrolle ein. Nicht zuletzt dient laut den Verfassern des Faktenpapiers der späte Erntetermin im Herbst vielen Wildtieren in den späten Sommermonaten als wichtiger Rückzugsraum und Schutz vor Fressfeinden.
Die im Faktenpapier zusammengetragenen Ergebnisse verdeutlichen nicht zuletzt, dass Mais sowohl in der CO2-Bilanz als auch bei der Flächeneffizienz hervorragende Werte erzielt. Durch die strengen Vorgaben der Europäischen Agrarpolitik bezüglich Fruchtwechsel und Bodenschutz sei laut Prof. Dr. Braun ein acker- und pflanzenbaulich übermäßiger Anbau von Mais ohnehin ausgeschlossen, weshalb zusätzliche Begrenzungen im Energierecht nicht erforderlich seien.
Forderung nach verlässlichen politischen Rahmenbedingungen
Das Deutsche Maiskomitee e.V. unterstützt die Forderung des Fachverbandes Biogas e.V., verlässliche Rahmenbedingungen für den Weiterbetrieb der bestehenden Anlagen zu schaffen. Eine künstliche Deckelung von hocheffizienten Einsatzstoffen verteuere die Energieerzeugung unnötig und gefährde das Ziel einer verlässlichen und regenerativen Energieversorgung in Deutschland. Vor dem Hintergrund einer deutlichen Ausweitung der fossilen Stromproduktion sowie des Imports des noch klimaschädlicheren Fracking LNGs träfe die Diskriminierung des Einsatzstoffs Mais auf Unverständnis.
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