Standortansprüche

Zur Beschreibung der Standorteignung bzw. der Ansprüche der Kulturpflanze Mais sind insbesondere die Faktoren Temperatur, Wasserversorgung und der Boden zu berücksichtigen. Zwischen diesen Einflussgrößen bestehen enge Wechselwirkungen, die den Anbau und damit im wesentlichen die Ertragsleistung und die Abreife beeinflussen. 

In dieser Rubrik werden Ihnen detailliert, gegliedert nach den oben genannten Faktoren, die Standortansprüche beschrieben. 

Temperatur 

In Deutschland wird die verfügbare Wachstumszeit der Maispflanze wesentlich durch die regional unterschiedlichen Temperaturen beeinflusst. Die Temperatursumme entscheidet über das Maß der Abreife und die Ertragsbildung. 
 

Aus den täglichen Lufttemperaturen von Mitte April bis Mitte November wurden nach der Maximum-Minimum-Methode bei einer Basistemperatur von 8°C spezifische Temperatursummen für die Bundesrepublik Deutschland berechnet (DMK, 1994). Die oberrheinische Tiefebene ist mit Werten über 1600°C die wärmste Region Deutschlands. Vergleichbar warme Gebiete mit 1400-1600°C stellen die Kölner Bucht, der Kraichgau, die untere Donau, die Leipziger Bucht und das südliche Brandenburg, allerdings mit deutlichen Unterschieden in der Trockenheitsgefährdung, dar. 
 

Mit zunehmender Entfernung von der Küste nimmt die Temperatursumme zu. Diese Zunahme ist im Norden stärker ausgeprägt als im Süden. In den Mittelgebirgslagen ergeben sich für den Maisanbau sehr heterogene, stark von der Höhenlage und der Hanglage beeinflusste Temperaturverhältnisse. Mit der Höhe nimmt die Temperatursumme im gesamten Bundesgebiet um etwa 1°C je Höhenmeter ab. 
 

Bereits zur Keimung benötigt Mais Bodentemperaturen zwischen 8 und 10°C. Auch für die Jugendentwicklung sind Temperaturen von mehr als 10°C entscheidend, um den für die Gesamtentwicklung wichtigen Kurztag auszunutzen. Sinkt die Tagesdurchschnittstemperatur über mehrere Tage unter 10°C, reagiert die Maispflanze mit chlorotischen Blattverfärbungen, was eine verminderte Assimilationsfähigkeit und reduzierte Nährstoffaufnahme nach sich zieht. Die oberirdischen Pflanzenteile sind zudem sehr frostempfindlich. Länger anhaltende Spätfröste von unter -3°C führen zu einem Abfrieren der vorhandenen Blätter. Entscheidend für das weitere Wachstum ist, dass der Vegetationskegel unversehrt bleibt. Ist auch der Vegetationskegel erfroren, bleib nur Umbruch und Neusaat. Frühfröste werden ebenfalls äußerst schlecht vertragen. Ein Temperaturabfall im Herbst von wenigen Stunden auf unter -2°C kann bereits vorzeitig die Kornabreife beenden und zu einer nachhaltigen Schädigung der Maisbestände führen. 

Wasser 

Mais besitzt als C4-Pflanze einen vergleichsweise geringen Bedarf an Wasser zur Produktion von pflanzlicher Substanz. Dieses Verhältnis zwischen Wasserbedarf und Bildung von Trockenmasse wird als Transpirationskoeffizient bezeichnet. Unter hiesigen klimatischen Bedingungen durchgeführte Untersuchungen haben gezeigt, dass Mais zur Erzeugung von 1 kg Trockenmasse 200 l Wasser, Gerste 220-300 l und Weizen 300-400 l (Ehlers, 1997) benötigen. Mais ist daher als Kulturpflanze mit einem niedrigen Transpirationskoeffizienten zu bewerten. 

 

Setzt Wassermangel früh zu Blühbeginn ein, werden Wachstum und Kolbenbildung beeinträchtigt, Wassermangel während der Blüte führt in Verbindung mit extremer Hitze zu unzureichender Befruchtung. Fehlt das Wasser nach Abschluss der Befruchtung wird die Assimilation bzw. die Assimilatumlagerung in den Kolben blockiert. Der Wasserbedarf liegt im Extremfall in der Zeit von Mitte Juli bis Ende August bei bis zu 6 mm/m² und Tag. 

Zwischen Blühbeginn und Erreichen von 50 % Kornfeuchte sollte die Feldkapazität des Bodens immer über 50 % Wassersättigung liegen. Mit der Beregnung kann in trockenen Anbauregionen grundsätzlich das Ertragspotential von Körnermais ausgeschöpft und in Trockenperioden auf allen Standorten das Ertragsrisiko vermindert werden. Allerdings sind Kosten und Nutzen kritisch abzuwägen. 

Der Wasserbedarf steht in enger Wechselwirkung mit den anderen klimatischen Einflussgrößen sowie deren kompensatorischen Effekten. 

Boden 

Die Ansprüche der Maispflanze an den Boden sind gering. Sie stehen jedoch in enger Wechselwirkung zum Klima und zur Wasserversorgung. 

Als wärmeliebende Pflanze gedeiht Mais in den wärmeren Anbaugebieten besonders gut, insbesondere auf humusreichen Böden mit stabiler Krümelstruktur, die ein ausreichendes Speichervermögen für Wasser und Nährstoffe besitzen. Ein erfolgreicher Anbau ist aber auch in klimatisch ungünstigeren, kälteren Anbauregionen möglich, wenn leichtere, im Frühjahr rasch erwärmbare Böden vorliegen, die Niederschläge günstig verteilt sind und geeignete Sorten verwendet werden. Auf anmoorigen Böden und Moorböden mit der Gefahr von Früh- und Spätfrösten sollten Sorten mit rascher Jugendentwicklung, einer gewissen Frostresistenz und früher Abreife bevorzugt werden. 

Vor- und Nachteile verschiedener Bodenarten sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst: 

Bodenart  günstig  ungünstig 
leichte Böden  Erwärmung  Wassermangel 
mittlere Böden  Wasser- und Nährstoffversorgung  -- 
schwere Böden  --  langsame Erwärmung, Verkrustung 
Moorböden  --  langsame Erwärmung, Spätfroste 
anmoorige Böden  Erwärmung  Spätfroste 
Kalk- und Mergelböden  Erwärmung  Wassermangel 
Staunasse verdichtete Böden  --  langsame Erwärmung, eingeschränkte Anbaueignung 

Diesen Ansprüchen muss vor allem durch die Anbautechnik (Sortenwahl, Aussaatzeitpunkt, Bodenbearbeitung) Rechnung getragen werden. 

Aus dem Vergleich der Reifezahlen einer Sorte können Informationen über das Abreifeverhalten abgeleitet werden. Ist die Siloreifezahl höher als die Körnerreifezahl (z. B. S 250 > K 230), deutet dies auf einen in der Restpflanze länger grün bleibenden Sortentyp (Stay-green) hin. Im umgekehrten Fall (z. B. S 220 < K 240) reift die Restpflanze vergleichsweise rasch ab. Eine rasche Restpflanzenabreife kann die Folge natürlicher Reifeprozesse sein oder auch einer sortenspezifischen Anfälligkeit für Fusarium.