Unkräuter und Ungräser im Mais

Bei der Bekämpfung von Unkräutern und Ungräsern im Mais muss der richtige Termin gewählt werden, da sonst der Bekämpfungserfolg nicht optimal ist und Nachbehandlungen notwendig werden.

Ein Auslassen der Herbizidbehandlung führt meist zu einer starken Unkrautvermehrung, da der Maisbestand in der Jugendentwicklung sehr offen ist. Als Konsequenz daraus können starke Ertrags- und Qualitätsminderungen des Erntegutes entstehen.
 

Ackerfuchsschwanz

Ackerfuchsschwanz (Alopecurus Myosuroides)

Beschreibung: Ein- bis überjähriges, horstbildendes Ährengras auf mittleren bis schweren, kalkhaltigen Böden, Halme am Grund gekniet bis aufrecht, kahl, zuweilen rau; 20-100 cm hoch. Besonderes Unterscheidungsmerkmal: Blatthäutchen lang, mit meist unregelmäßiger Zahnung. Blütenstand ist eine Scheinähre, lang und schlank; mit zunehmender Reife rötlich; Keimzeit: Herbst und Frühjahr

Keimblätter: korkenzieherartig gewunden; schmale Blattspreite; am Grund oft violett-rot überlaufen.

Laubblätter: schmal gerieft, keine Blattröhrchen; Blatthäutchen lang; unregelmäßig geschlitzt.

Bedeutung: In kühlen Regionen wird er durch eine frühe Saat begünstigt. Mit dem Mais tritt er nur bei starkem Auftreten in Konkurrenz.

Bekämpfung: Besonders bei reduzierter Bodenbearbeitung können Altpflanzen den Winter überdauern und werden dann von Herbiziden nicht mehr erfasst. Ansonsten kann er mit üblichen Gräserherbiziden bekämpft werden.

Acker-Kratzdistel

Acker-Kratzdistel (Cirsium Arvense)

Beschreibung: ausdauernd, zweihäusig, vorwiegend vegatative, aber auch generative Vermehrung; Stängel aufrecht und verzweigt, fast kahl, kantig gefurcht; 60-150 cm hoch; weibliche und männliche Blüten, lila bis rosafarbene Röhrenblüten; Keimzeit: Herbst und Frühjahr bis Vorsommer.

Keimblätter: dunkegrün, breitoval; fleischig. ganzrandig.

Laubblätter: oberseits grün glänzend, Unterseite stumpf; ungeteilt bis buchtig fiederspaltig mit dreieckigen Einschnitten, meist wellig; Blattrand bestachelt.

Bedeutung: 20-200 Samen je Blütenköpfchen, lange lebensfähig - bis 20 Jahre; nesterweises Auftreten, dadurch sehr starke Schädigung des Maises; starke vegetative Vermehrung über Wurzelausläufer; abgetrennte Wurzelstück können wieder austreiben.

Bekämpfung: Eine Bekämpfung ist mit speziellen Herbiziden möglich.

Ackerstiefmütterchen

Ackerstiefmütterchen (Viola arvensis)

Beschreibung: Ein- bis überjährig, Stängel aufsteigend; vierkantig, kahl; nichtverzweigt. Blüten einzeln, lang gestielt, achselständig, hellgelb, weißlich bis violett; Keimzeit: ganzjährig; hauptsächlich Herbst.

Keimblätter: Rundlich bis eiförmig, kurz gestielt, leicht eingezogene Spitze.

Laubblätter: eiförmig-länglich; Rand gekerbt; paarige, am Grund lang-elliptische, fiederteilige Nebenblätter.

Bedeutung: Problemunkraut vor allem in Getreide; Massenauftreten ungewöhnlich großer Pflanzen möglich; tritt auf etwa 50 Prozent der Maisflächen in Deutschland auf; Bedeutet für den Mais jedoch nur schwache Konkurrenz.

Bekämpfung: Einige Herbizde erfassen das Stiefmütterchen nicht ausreichend, dadurch hat es sich in den letzten Jahren weit verbreitet.

Acker-Winde

Acker-Winde (Convolvulus arvensis)

Beschreibung: ausdauernd; hauptsächlich vegetative Vermehrung; Stängel am Boden liegend und windend; dünn und ästig verzweigt; stumpf-sechskantig; 20 cm bis 1,2 m hoch; Blüten sind weiß und hellrosamit fünf rötlichen Streifen; trichterförmig; einzeln stehende auf langen blattachselständigen Stielen; Keimzeit: fast ganzjährig.

Keimblätter: herz- oder spatelförmig; deutlich gestielt; Blattaderung gut sichtbar.

Laubblätter: dungelgrün und gestielt; länglich-eiförmig bis lanzettlich mit pfeilförmigem Grund; Spitze abgerundet.

Bedeutung: Durch das Emporschlingen an anderen Pflanzen steht sie in starker Lichtkonkurrenz mit diesen.

Bekämpfung: Die ausdauernde Lebensweise macht sie schwer bekämpfbar. Die meisten Herbizide im Mais können sie nicht ausreichend erfassen.

Echte Kamille

Echte Kamille (Chamomilla recutita)

Beschreibung: Ein- bis überjährig, apfelartiger Geruch, vorwiegend auf kalkarmen frischen Lehmböden. Astig verzweigter Stängel bis 50 cm hoch. Blütenköpfchen einzeln sitzend, mit gelben Röhren- und weißen Zungenblüten; Blütenboden hohl; Keimzeit: Herbst, Frühjahr.

Keimblätter: rundlich-ellitisch; vorne spitz auslaufend; ungestielt.

Laubblätter: zunächst einfach fiederteilig; nicht oder nur gering behaart; Folgeblätter doppelt bis dreifach fiederteilig mit schmalen, fadenförmigen Fiedern.

Bedeutung: sehr hohe Samenproduktion mit 1.000-10.000 Samen je Pflanze; Sie bildet ein ausgeprägtes, tiefes Wurzelsystem aus und kann als mittelstarker Konkurrent aingestuft werden. Die Kamill-Arten haben in den letzten Jahren im Mais zugenommen.

Bekämpfung: In der Regel stellt die Bekämpfung kein Problem dar. Durch reduzierte Bodenbearbeitung können aber Altpflanzen aus dem Herbst überwintern, welche schwierig zu bekämpfen sind und als stärkere Konkurrenten auftreten.

Erdmandelgras

Erdmandelgras (Cyperus esculentus)

Beschreibung: ausdauernd, vegetativ vermehrend; Ausbildung von Knöllchen am Ende der Rhizome, einige hundert pro Pflanze; dreikantiger und blattloser Halm, unverzweigt; Wuchshöhe 25-75 cm; als Blütenstand hat die Pflanze eine Dolde; Samenzahl pro Pflanze variiert zwischen null und einigen zehntausend; Keimzeit: spätes Frühjahr.

Blätter: hellgrün, entspringen in Form einer Blattrosette in der Basalverdickung.

Bedeutung: subtropisches Ungras, dringt aus dem Mittelmeerraum weiter nach Norden vor; bisher in Deutschland nur vereinzelt aufgetreten; im Mais hat die Pflanze gute Entwicklungsmöglichkeiten, da sie hohe Temperaturen und viel Licht für die Entwicklung benötigt; Die Konkurrenzkraft der Pflanze ist relativ gering, aber eine einmal stattgefundene Verseuchung ist aufgrund des hohen Reproduktionsvermögens schwerlich rückgängig zu machen.

Bekämpfung: Die chemischen und mechanischen Bekämpfungsverfahren sind nicht ausreichend, aufgrund des enormen Reproduktionsvermögens der Pflanze; durch den Anbau schattender Kulturen kann die Verseuchung verringert werden; In südlichen Ländern wird die Pflanze zu Ernährungszwecken kultiviert, da die Knöllchen essbar sind.

Gemeine Melde

Gemeine Melde (Atriplex patula)

Beschreibung: einjährig, einhäusig; kleine unscheinbare Blüten; weißlich-grün, in blattachselständigen Knäueln.

Keimblätter: hellgrün; sehr lang und schmal; vorn abgerundet bis leicht zugespitzt; Oberseite leicht mehlig bestäubt, Unterseite grün; Stängel reich verzweigt; untere Seitentriebe weit abstehend bis liegend, oft länger als der Haupttrieb; bis 1 m hoch.

Laubblätter: wechselständig; untere Laubblätter lanzettlich oder spießförmig. leicht gezähnt; ober Laubblätter lanzettlich und meist ganzrandig; in der Jugend mehlig bestäubt; später beidseitig grün.

Bedeutung: Es handelt sich um ein typisches Unkraut in Hackfrüchten. In der Regel vereinzeltes Auftreten, aber bei massenhaftem Auftreten tritt sie in starke Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe. Hohe Samenproduktion und deren Langlebikeit führen zu langanhaltender Verseuchung der Ackerfläche.

Bekämpfung: problemlose Bekämpfung mit derzeit vorhandenen Herbiziden möglich.

Hirsen

Exemplarisch wird hier die Hühnerhirse (Echinochloa crus-galli) beschrieben.

Beschreibung: einjährig; Halm ist aufrecht oder knickig, meist reich verzweigt, Wuchshöhe bis 1,5 m; Fruchtstand sind Scheinähren, rispen- oder traubenförmig angeordnet; Keimzeit: Vorsommer.

Keimblätter: breit-lanzettlich, kräftig.

Laubblätter: grün-graugrün; oft it rötlich überlaufenem Mittelnerv; Blattspreite am Blattgrund spärlich behaart; kein

Blatthäutchen: Blattspreite kahl; Blattscheide an den Halmknoten behaart.

Bedeutung: starkes Bestockungsvermögen, angepasst an hohe Stickstoffdüngung im Mais; schon wenige Pflanzen wirken sich negativ auf den Ertrag aus;zeitlich versetztes Auflaufen bis in den August.

Bekämpfung: Das versetzte Auflaufen führt dazu, dass die spät auflaufenden Pflanzen von den meisten Herbiziden nur unzureichend erfasst werden können.

Oftmals ist es schwierig, die verschiedenen Hirsearten zu unterscheiden, was aber für einen erfolgreichen Pflanzenschutz von Bedeutung ist. Untenstehend finden Sie einige Bilder mit den wesentlichen Unterscheidungsmerkmalen wichtiger Hirsearten, zur Verfügung gestellt von Dr. Josef Kuhlmann, Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Zeitschrift mais 2-2010).

Blutfingerhirse im Jugendstadium

Fingerhirsen besitzen ein Blatthäutchen. Die ganzen Pflanzen sind mehr oder weniger behaart.

Erkennungsmerkmal Borstenhirsen

Borstenhirsen sind an dem feinen Haarkranz anstelle des Blatthäutchens zu erkennen.

Erkennungsmerkmal Hühnerhirse im Jugendstadium

Hühnerhirse ist im Jugendstadium an dem fehlenden Blatthäutchen zu erkennen.

Grüne Borstenhirse

Quirlborstenhirse

Vogelmiere

Vogelmiere (Stellaria media)

Beschreibung: Ein- bis überjährig, den Boden dicht überziehend. Liebt gute, gare Böden. Stängel niederliegend (bildet dann an den Knoten Wurzeln aus), rund, einzeilig behaart, darmartig verschlungen. Kleine weiße Sternblüten; Wuchs bis 50 cm Höhe; bevorzugt Standorte mit guter Wasser- und Stickstoffversorgung; Keimzeit: ganzjährig.

Keimblätter: hellgrün, zart; klein, lanzettlich.

Laubblätter: paarweise gegenständig; klein, spitz-eiförmig; gestielt.

Bedeutung: sehr hohe Samenproduktion (10.000-20.000 Samen je Pflanze); im Boden sehr lange lebensfähig - über 50 Jahre.

Bekämpfung: trotz guter Bekämpfbarkeit häufig vorkommend, im Mais konkurrenzschwach, zweithäufigste Unkrautart im Mais in Deutschand.

Weißer Gänsefuß

Weißer Gänsefuß (Chenopodium album)

Beschreibung: Einjährig, einhäusig, Jungpflanze mehlig bestäubt. Stumpfkantiger Stängel bis 150 cm, geringe Standortansprüche, hohe Samenbildung; weißlich-grüne Blüte, klein und unscheinbar, mehlig bestäubt; in dichten blattachselständigen Knäueln. Keimzeit: Frühjahr bis Herbst.

Keimblätter: schmutzig-grün; lang und schmal, vorn abgerundet; Oberseite mehlig bestäubt; Unterseite rötlich.

Laubblätter: sehr variabel, oval bis dreieckig, lang gestielt; ungleich gezähnt; bläulich-grün; junge Blätter oberseits mehlig bestäubt.

Bedeutung: Es ist die häufigste Unkrautart im Mais. Deutschlandweite Verbreitung über alle Maisanbaugebiete. Schon geringe Dichten führen zu Ertragsausfällen.

Bekämpfung: problemlose Bekämpfung mit derzeit vorhandenen Herbiziden möglich.

Windenknöterich

Windenknöterich (Fallopia convolvulus)

Beschreibung: einjährig, dünne und kantige Stängel, gefurcht und knotig gegliedert; oft rot überlaufen, am Boden liegend oder windend; meist verzweigt; die Nebenblattscheide ist kurz, häutig und am Rand meist zerschlitzt; bis 1,20 m Wuchshöhe; Blüten sind weißlich-grün, in Knäueln in den Blattachseln sitzend; bis 200 Samen je Pflanze; Keimzeit: hauptsächlich Frühjahr.

Keimblätter: kräftig, dunkelgrün; schmal und länglich-oval; ungleiche Blatthälften, stehen anfangs abgewinkelt zueinander.

Laubblätter: die ersten Blätter sind langgestielt und oft rötlich überlaufen; weisen typische Herz- und Pfeilform auf; folgende Laubblätter sind ebenfalls gestielt, jedoch kräftig grün.

Bedeutung: starke Zunahme in ganz Deutschland, dritthäufigste Unkrautart im Mais; schädigt die Maispflanzen vor allem durch Wasserentzug und behindert die Ernte.

Bekämpfung: späte Stadien werden von Herbiziden nur unzureichend erfasst.